Danke, liebes ZDF, dass Du so flotte IvDs hast!
Die Kosten für diese Leitung übernimmt sicherlich das sendungszuständige International Broadcast Centre, IBC, in Wien. Und die durchlittene Identifikationskrise durch die Fliege des Schweizer Fernsehens SF1 in der Ecke der Mattscheibe ist ebenfalls Entschädigungswürdig.
Mich hat es nicht gestört. (Ich war so weit weg, dass ich es auch gar nicht gesehen habe…)
Der Gedanke, dass zumindest Europa (bis Asien) ganz sicher vor dem Fernseher hockt und obendrein es womöglich auch außerhalb Europas (bis Asien) Fußballbegeisterte gibt, die sich für europäischen (bis asiatischen) Fußball interessieren und all diese Menschen das gleiche Grau in Grau sehen, ist faszinierend. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Na, wenn das nicht zusammenschweißt. Ich hab Dein Tor nicht gesehen, Du hast mein Tor nicht gesehen. Und plötzlich steht es 2:2.
Würde eine Halbzeit in der Regel nicht 45 Minuten dauern, so würde ich jetzt behaupten, das Störbild lag mindestens eine Stunde auf. Erst eine schlichte Tafel im ZDF-EM-Design, dann als MAZ mit drehenden Fußball und zur Krönung dann das: 
Das IBC, das internationale Übertragungszentrum der UEFA, ist lahmgelegt durch einen Stromausfall, bedingt durch Regen. Seien wir mal nicht so, bedingt durch unwetterartigen Regen. So viel un(wetter)artiger Regen, dass in Wien sogar die Fanmeile geräumt werden musste. Hamdulah wohne ich nicht in Wien.
Aber wir waren noch beim grauen Bild. Béla Réthy wird telefonisch angezapft und er entschuldigt sich brav für die mangelnden Zappelbilder. (Er kann doch gar nichts dafür?!) Gütigerweise informiert er uns über den Bildausfall. Auch gut. Auf jeden Fall sind wir wieder irgendwie mit Basel verbunden. Er ist unser Mann am Rasen, Seher im Stadion, live vor Ort, unser drittes Auge. Am Ball, wenn man so will, also SPRICH ENDLICH! Wir SEHEN NIX! Nach einer gefühlten halben Stunde begreift auch er endlich die Situation und plappert tapfer die ganzen türkischen Namen runter. Und Lahm erhällt wohl einen Pass. Interessant. (Wo denn so ungefähr auf den 6.400 bis 8.250 qm??) Es steht „Reporter“ über „Béla Réthy“ auf dem Standbild. Das heisst, er ist kein Kommentator. Also lässt er es auch mit dem Kommentieren.
Alles hält den Atem an, jeder hört gespannt zu. Uns bleibt nichts anderes. Eine Zeitreise in Lichtgeschwindigkeit. Und der Volksempfänger ist ein TFT-Bildschirm („Total flaches Teil“). Wir lauschen Fußball, im 21. Jahrhundert. Dann zuckt es auf dem Bildschirm. Jubel! Kein Tor, nein, Bild! Hurra, Bild! Bild! Bild! Leider nicht lang und wir lauschen wieder. Bis das ZDF sich an das Schweizer Fernsehen SF1 klemmt. Diese bekommen ihre Bilder nicht über Satellit sondern über Kabel. Glasfaser um genau zu sein. Und auch nicht aus dem IBC aus Wien, sondern direkt aus dem Stadion in Basel. Juhu!
Somit wurde aus Public Hearing wieder Public Viewing. „Und da Sie einen Mann mit Vollbart sehen, können Sie daran auch erkennen, dass das Bild wieder da ist.“ (So bis ähnlich Réthy.) Und wir konnten den protibetischen Flitzer bestaunen. Mindestens sechs Sicherheitsmänner waren nötig, um ihn zu stoppen.
Die bessere Mannschaft des Spiels, die türkische Notelf, hat diesmal selbst ein Last-Minute-Tor kassiert. Mit 3:2 zieht eine stets bemühte und auch ratlose deutsche Elf ins Finale. Aber das weiß ja eh schon jeder.
Das zweite Halbfinale und auch das Finale überträgt die ARD. Da spielt Réthy dann nicht mehr mit.