Was für eine Freude, bei diesem Silverballet zuzuschauen! Massa muss schon ganz schwindelig gewesen sein. Trotz lauter Piruetten schafft er seinen italienischen Boliden noch an der karrierten Flagge vorbei ins Ziel. Als Letzter. Mit zwei Runden Rückstand. So der Schluss.
Der Start ist phänomenal für Hamilton, der sofort und berührungsfrei an Räikkönen und Webber vorbei flutscht und mit Kovalainen im Parallellflug dem Finnen die Führung streitig machen will. Das klappt nicht ganz, Kovalainen bleibt erst mal vorne. Aber Hamilton kommt wesentlich besser mit dem Wagen klar und ist auch enorm viel schneller als der Rest. Bis der Regen nachlässt und die Strecke trockener wird. Alle Fahrzeuge schwanken in einem Leistungsbereich von bald 10 Sekunden.
Webber hat sich durch einen Dreher schon längst nach hinten verabschiedet. Ganz so weit zurück fällt Kovalainen nach seinem Fehler nicht. Und Räikkönens Bridgestone tragen den Ferrari in Riesenschritten an die Rückleuchte des anführenden Lokalmatadors. Reichte nicht, das Wetter drehte ebenfalls Kapriolen und Hamilton setzt sich wieder „entspannt“ ab.
Eine Frage des Profils
Zu jeder Wettersituation gibt es die Sternmomente der einzelnen Fahrer. Bei etwas weniger Regen gehen Alsonso und Räikkönen in die Offensive. Bei etwas mehr Regen fühlt sich Heidfeld offenbar am wohlsten und schluckt die Gegner stets im Doppelpack. Erst in einem Außen-Innen-Rutsch an Glock und Alonso vorbei. Wenige Runden später an gleicher Stelle, mit gleicher Welle vorbei an Kovalainen und Räikkönen. Respekt! Als zweiter geht er ins Ziel (mit knapp 70 Sekunden Rückstand zu Hamilton).
Sternmomente haben aber auch die Strategen in den Boxen. So nämlich Ross Brawn bei Honda, der bei stärker einsetzenden Regen seine Angestellten auf der Strecke gleichzeitig in die Box pfeift und Heavy Wets am Fließband aufziehen lässt. In einer Runde hat Barrichello die verlorene Zeit wieder gut gemacht. Er rauscht an allen vorbei, so als würden die anderen auf der Strecke parken. Sogar auch an Heidfeld. Mit dem Vorsprung konnte Brarichello sich einen weiteren Stopp leisten und wieder zurück auf Intermediates wechseln. Und ist erstmals nach Canada 2005 wieder auf dem Podium. Als Dritter. (Natürlich nicht ohne Tränen.)
Schwesterstrategien
Nachdem Alonso und Räikkönen sich mit ihren Schluppen pudelwohl fühlen und beide Boliden ab Mitte des ersten Stints die korrekten Wetterverhältnisse für perfekte Aufholjagden bekommen, machen beide Teams / Fahrer beim ersten Boxenstopp den gleichen Fehler. (Interessant…) Beide bauen auf diese alten Schluppen, nehmen in ihrer Box nur den halben Service in Anspruch und lassen ihre Reifen nicht wechseln. Mit ihren ausgelatschten Pneus verlieren sie im zweiten Stint gewaltig an Geschwindigkeit und Plätze. Nach dem zweiten Stopp nehmen alle vier Fahrer beider Teams endlich wieder frisches Gummi mit ins Rennen und knausern sich wieder vor. Bis, ja bis das Wetter erneut gerade mal mehr oder auch weniger Wasser vom Himmel lässt. Alonsos Reifen lassen wieder nach. Als bald langsamster im Feld verteidigt er bitter seinen 5. Platz, doch Kovallainen kommt noch an ihm vorbei und der Spanier muss sich mit dem 6. Platz zufrieden geben.
Durchlauf
Im Gänsemarsch laufen nach Alonso Trulli, Nakajima und Rosberg ein. Webber geht als 10. ins Ziel. Von den 20 gestarteten Fahrzeugen kommen gerade 13 ins Ziel. Der Rest hat sich in der Regel alleine, bzw. mit Hilfe von Pfützen aus dem Spiel gedreht. Nur Coulthard ist leider Vettel in die Hinterachse gefahren. Schade für beide!
Das Ergebnis in klar
1. Lewis Hamilton
2. Nick Heidfeld
3. Rubens Barrichello
4. Kimi Räikkönen
5. Heikki Kovalainen
6. Fernando Alonso
7. Jarno Trulli
8. Kazuki Nakajima
9. Nico Rosberg
10. Marc Webber
11. Sébastien Bourdais
12. Timo Glock
13. Felipe Massa
Die aktuelle Fahrerwertung sieht Hamilton, Massa und Räikkönen mit 48 Punkten an der Spitze, gefolgt von Kubica mit 46 Zählern. Heidfeld hat sich mit 36 Punkten auf Platz 5 vorgeschoben.
Ich freue mich auf Hockenheim.