Respekt. Die russischen Jungs laufen locker einen Marathon in 120 Minuten und den Herren aus Holland geht die Luft aus. Während des Spiels findet bei mir eine Zuneigungsmetamorphose statt. Eigentlich sind mir die Niederländer sehr sympathisch. Freue ich mich schon auf deren Ballkünste. Doch schnell wird klar, so richtig wissen die Holländer heute nichts mit dem Ball anzufangen und sind nahezu hölzern auf dem Feld unterwegs. Flanken ins Nirvana und staunen über das junge russische Blut. (Wir dachten schon, der eine oder andere Russe dürfe aus Altersgründen in der zweiten Halbzeit nicht mehr mitspielen…) Immer ansehnlicher werden die Pässe und Abschlüsse der Russen. Nach einer knappen Stunde pflanzt Pavlyuchenko das Leder endlich hinter van der Sar ein. Vier Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit schafft dann auch van Nistelrooy gerade noch den Ausgleich.
Mit 1:1 geht es also in die Verlängerung. Aber es sah bereits vorher schon so aus, dass noch mindestens einer der wesentlich häufigeren russischen Torschüsse ihr Ziel erreichen würde. Dem war dann auch so. Mit Torbinski in der 112. und Arshavin in der 116. Minute verfestigt die Sbornaja ihre Leistung in berechtigte Zahlen. Die jüngste Mannschaft des Turniers gewinnt gegen den Favoriten mit 3:1 und zieht ins Halbfinale. Und hat dabei auch noch schönen Fußball gezeigt.
Heute abend werden wir den nächsten Gegner Russlands gewinnen sehen. Spanien fliegt wahrscheinlich dann doch gegen den Weltmeister raus. Das würde eine Partie Russland vs. Italien bedeuten. Ist aber auch egal, gegen wen die Russen spielen, wenn sie so weiter spielen, wie in den letzten drei Spielen. Was antwortete Hiddink auf die Frage, ob er seiner Mannschaft nicht einen Ruhetag gönnen wolle? Nein, den hatten sie bereits im Spiel gegen Spanien.
UEFA Euro 2008 Viertelfinale Nr. 4: 20:45 Uhr, ZDF, Spanien – Italien, Ernst-Happel-Stadion, Wien
Aber vorher kommt noch Formel 1….
PS: Es gibt ohrenscheinlich wesentlich weniger Russen, als ich dachte. Zumindest in der West-City. Ich hatte nach dem Spiel ein fulminanteres Hupkonzert erwartet. Natürlich nicht im türkischen Maße, dennoch war ich überzeugt, die russische Gemeinde in Berlin sei stärker. Nur hin und wieder eine schon krächzende Hupe kam vorbei. Womöglich wohnen sie aber auch eher im Ostteil der Stadt.
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