Archiv für Juni 2008

EM: 3 – 2 – 1 – meins

Die ersten beiden Steps sind erreicht. Dritter ging klar 2006, zweiter dann jetzt und dann endlich mit Pott dann wohl 2010. Grämt Euch nicht um ein verlorenes Spiel. Eindeutig war es noch nicht der Augenblick der deutschen Mannschaft. Schade um Lehmann mit seinen goldenen Fingerspitzen, der für das nächste Turnier vielleicht zu alt sein wird. Aber der Rest muss eben noch ein wenig an sich arbeiten und Konstanze auf’s Spielfeld helfen. Wer ist Konstanze? Die Stete. Die Eherne. Die, welche den schwarz-weißen Jungs immer wieder noch abhanden kommt und sich in der Kabine verkrümelt.

¡Felicitaciones a España! ¡Tanto tiempo sin título y ahora por fin Campeona de Europa! Con todo el derecho! ¡Gracias por jugar tan lindo!

Spanien überlegen ins Finale

Yep. Spanien hat schön gespielt. Hat Russland auch schön raus gespielt. Russland war müde. Ist das Feld dann doch auch ein weites Land. Und ich war ganz erstaunt, dass der Knabe Arshavin bereits Frau und zwei Kinder hat. Jetzt klappt ja vielleicht auch der Wechsel nach Barcelona. Oder Real. (Ob die Mitglieder der Sbornaja sich alle einen Platz in einem spanischen Team erhoffen? Und sich somit keiner traut, so richtig gegen Spanien anzutreten? Außer mit ganzen Körpereinsatz, als ihnen nichts mehr einfiel. Die armen Jungs. Ein dritter Platz ist doch auch spitze!)

Bueno. Jetzt Allemann vs. Spanien. Man könnte glauben, es wird ein wildes Geholze. Ich rieche Blut. Kein deutscher Pass taugt mehr was und die Ball-Annahmen sind ebenfalls schlagartig verlernt. Ballack entwickelt Phantasie nur in heftigsten Fouls, guckt verpaddelt dem Ball hinterher, der ins falsche Tor plumpst. Güiza beweist, dass alle guten Dinge drei sind und schleudert den Ball ins deutsche Netz. Da in der Regel das Gegenteil rauskommt von dem was ich glaube, müsste nun am Sonntag enstprechend eine Schnarch-Partie folgen. 0:0 nach 120′+3′ und 5:4 n.E. oder so. (Und zwar nicht, weil Lehmann hält, sondern weil der Ball schlicht am Tor vorbeigeschossen wird.)

Egal. Fakt ist, dass Spanien in diesem Turnier bisher immer als Sieger vom Platz gegangen ist. Was Deutschland, noch besoffen vom polnischen Glück, nicht gegen Kraotien gelungen ist. Und gegen Türkei waren sie ebenfalls nicht die bessere Mannschaft. Was auch immer der deutsche Kader vor dem Spiel gegen Portugal eingenommen hat, das sollte er gegen Spanien wieder verschrieben bekommen. Und dann wird es spannend.

Auch wenn ein vierter Stern auf dem Trikot der Deutschen das Design ein wenig stören würde…

Anpfiff Sonntag, 20:45 Uhr bei der ARD.

EM-Halbfinale: Russland – Spanien

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie’s ist. So ist das nämlich mit den Prognosen. Also spielt heute Abend mal wieder Russland gegen Spanien. Spanien wird voraussichtlich in einer 4-4-2-Formation auf dem Feld stehen. Bei Russland ist das doch eigentlich egal wie sie stehen, sie stehen ja eh nie still…

Entweder Russland rächt sich für die Vorrunde und spielt Spanien mit ca. 18:2 vom Feld oder es kommt zum Elfmeter schießen. Und zwar nicht, weil bis dahin kein Tor gefallen ist, sondern weil es so etwas wie 3:3 steht. In Argentinien ist man übrigens davon überzeugt, dass die ehemaligen Eroberer von den Russen geschlagen werden. Ja, ich traue es der Sbornaja auch zu.

Dann freue ich mich auf ein Deutschland – Russland am Sonntag. Wenn dann auch noch die Deutschen aus ihrem momentanen Trance-Zustand wieder herauskommen und SPIELEN, wird es ein großartiges Finale.

Anpfiff heute wie gewohnt: 20:45 Uhr, ARD (Juhu!) (Und im International Broadcast Centre in Wien werden bitte eventuelle Stromradler eingesetzt.)

EM-Etiquette

Frau Bundeskanzlerin in Basel. Auf der Ehrentribüne. Beim Spiel ihres Landes gegen das ihres Sitznachbarn. Gemein. Da konnte sie sich gar nicht so gebührend freuen als das deutsche Tor fiel. Schnell fällt ihr auf, dass Herr Ministerpräsident Erdogan ihre Freude nicht teilt. Die Etiquette verlangt dann nur noch verhaltenes Klatschen. Die Ärmste.

Seid ihr sicher, dass es Frau Bundeskanzlerin nur ein Mal gibt? Mal im Ernst: Gerade noch die Laudatio auf Alt-Bundeskanzler Schmidt in Leipzig, dann die Gedenkfeier in Berlin zum Prager Frühling vor 40 Jahren und abschließend unterdrückte Freude bis in die Nacht beim Halbfinalspiel in Basel. Respekt.

Deutschland – Türkei: Public Hearing

Danke, liebes ZDF, dass Du so flotte IvDs hast!

Die Kosten für diese Leitung übernimmt sicherlich das sendungszuständige International Broadcast Centre, IBC, in Wien. Und die durchlittene Identifikationskrise durch die Fliege des Schweizer Fernsehens SF1 in der Ecke der Mattscheibe ist ebenfalls Entschädigungswürdig.

Mich hat es nicht gestört. (Ich war so weit weg, dass ich es auch gar nicht gesehen habe…)

Der Gedanke, dass zumindest Europa (bis Asien) ganz sicher vor dem Fernseher hockt und obendrein es womöglich auch außerhalb Europas (bis Asien) Fußballbegeisterte gibt, die sich für europäischen (bis asiatischen) Fußball interessieren und all diese Menschen das gleiche Grau in Grau sehen, ist faszinierend. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Na, wenn das nicht zusammenschweißt. Ich hab Dein Tor nicht gesehen, Du hast mein Tor nicht gesehen. Und plötzlich steht es 2:2.

Würde eine Halbzeit in der Regel nicht 45 Minuten dauern, so würde ich jetzt behaupten, das Störbild lag mindestens eine Stunde auf. Erst eine schlichte Tafel im ZDF-EM-Design, dann als MAZ mit drehenden Fußball und zur Krönung dann das:
Das IBC, das internationale Übertragungszentrum der UEFA, ist lahmgelegt durch einen Stromausfall, bedingt durch Regen. Seien wir mal nicht so, bedingt durch unwetterartigen Regen. So viel un(wetter)artiger Regen, dass in Wien sogar die Fanmeile geräumt werden musste. Hamdulah wohne ich nicht in Wien.

Aber wir waren noch beim grauen Bild. Béla Réthy wird telefonisch angezapft und er entschuldigt sich brav für die mangelnden Zappelbilder. (Er kann doch gar nichts dafür?!) Gütigerweise informiert er uns über den Bildausfall. Auch gut. Auf jeden Fall sind wir wieder irgendwie mit Basel verbunden. Er ist unser Mann am Rasen, Seher im Stadion, live vor Ort, unser drittes Auge. Am Ball, wenn man so will, also SPRICH ENDLICH! Wir SEHEN NIX! Nach einer gefühlten halben Stunde begreift auch er endlich die Situation und plappert tapfer die ganzen türkischen Namen runter. Und Lahm erhällt wohl einen Pass. Interessant. (Wo denn so ungefähr auf den 6.400 bis 8.250 qm??) Es steht „Reporter“ über „Béla Réthy“ auf dem Standbild. Das heisst, er ist kein Kommentator. Also lässt er es auch mit dem Kommentieren.

Alles hält den Atem an, jeder hört gespannt zu. Uns bleibt nichts anderes. Eine Zeitreise in Lichtgeschwindigkeit. Und der Volksempfänger ist ein TFT-Bildschirm („Total flaches Teil“). Wir lauschen Fußball, im 21. Jahrhundert. Dann zuckt es auf dem Bildschirm. Jubel! Kein Tor, nein, Bild! Hurra, Bild! Bild! Bild! Leider nicht lang und wir lauschen wieder. Bis das ZDF sich an das Schweizer Fernsehen SF1 klemmt. Diese bekommen ihre Bilder nicht über Satellit sondern über Kabel. Glasfaser um genau zu sein. Und auch nicht aus dem IBC aus Wien, sondern direkt aus dem Stadion in Basel. Juhu!

Somit wurde aus Public Hearing wieder Public Viewing. „Und da Sie einen Mann mit Vollbart sehen, können Sie daran auch erkennen, dass das Bild wieder da ist.“ (So bis ähnlich Réthy.)  Und wir konnten den protibetischen Flitzer bestaunen. Mindestens sechs Sicherheitsmänner waren nötig, um ihn zu stoppen.

Die bessere Mannschaft des Spiels, die türkische Notelf, hat diesmal selbst ein Last-Minute-Tor kassiert. Mit 3:2 zieht eine stets bemühte und auch ratlose deutsche Elf ins Finale. Aber das weiß ja eh schon jeder.

Das zweite Halbfinale und auch das Finale überträgt die ARD. Da spielt Réthy dann nicht mehr mit.

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